Donnerstag, 3. November 2011

Kirgisistan - Mongolei


Köbis alter Laptop ist installiert, mit unserem Gewürzkistli unterlegt, so dass es eine angenehme Höhe zum Schreiben auf dem Badewannenbett ist. Christian macht eine Katzenwäsche im Bad des Hotels, eine Dusche fehlt. Das kleine Zweibettzimmer ist überfüllt mit Esswaren, Campingmaterial, Schmutzwäsche und stickiger Luft. Marco ist vertieft in sein Buch, der Weg der Könige. Köbi, der kurz bevor noch so tatenlustig war, ist durch das mongolische Bier ruhig geworden, liegt auf dem Bett und SMS’elt. Draussen ist es kalt, zu kalt um zu lüften. Und irgendwo da draussen ist unser, so lieb gewonnener, Previa 2.4i 16V. Wir wissen nicht genau wo, doch wir hoffen dass es ihm gut geht. J Geschätzte Leser, ihn den folgenden Zeilen werdet ihr schön der Reihe nach erfahren wie es so weit kommen konnte.



Bishkek
Unser letzter Bericht endet in Bishkek, der Hauptstadt von Kirgistan. Die Stadt ist wenige Kilometer von der Grenze zu Kasachstan entfernt. Also entschieden wir uns eine Nacht in der Stadt zu bleiben, so dass wir vor dem ersten Krähen des Muezins an der Grenze sein könnten. Wie immer, haben wir im Reiseführer nach einer günstigen Bleibe gesucht. Das namenlose Hotel wird als originell, liebevoll und preiswert beschrieben. Doch da es kein Namen hatte, gestaltete sich die Suche sehr schwierig. Wie will man ein Hotel ohne Namen anschreiben? Einfach „Hotel“? Die Besitzer haben gar nichts angeschrieben. Der kleine Shop, in dem wir nach dem „Hotel“ fragten, war dann auch gleich der Eingang. Und wirklich, der Platz war günstig (25$ für alle). Irgendwie auch originell, aber keinen falls liebevoll. Hässlich würde es besser treffen. Gebrauchte Bettwäsche, halbpatzige Duschen die mit unseren Sackmessern bedient werden mussten und fäkaler Gestank aus dem Loch neben der Dusche. Der nicht isolierte Anschluss des Boilers in der Nasszelle (genau auf Kopfhöhe) war gar als Lebensgefährlich einzustufen. Es kann auch mit Sicherheit gesagt werden, dass die am Morgen gefundenen, gebrauchten Pariser unter dem Bett schon vor unserer gemeinsamen Nacht da waren. Marco wurde am Abend noch von einem kleinen Mistköter in die Wade gebissen, als er auf der suche nach einem Bankomaten war, dies zum Glück ohne Folgen, da der bissige Hund noch nicht ausreichend Kraft besass die Hosen zu zerfetzen.
Am nächsten Morgen ging es los in Richtung Kasachstan. Der Zoll war sehr angenehm. Das übliche hin und her Geplänkel mit den Beamten. Es kam nur zu einer kleinen Verzögerung als der kirgisische Präsident zur selben Zeit die Grenze passieren wollte und wir dadurch abseits warten mussten.


Kasachstan
Über Kasachstan gibt es nicht allzu viele Worte zu verlieren, denn wir rauschten innert 3 Tagen durch die 1‘500 km lange Steppe, welche sich eintönig ausserhalb des Autos bis in alle Weiten ausbreitete. Aufgrund dieser kargen Landschaft beschlossen wir wieder einmal ein Hörbuch uns zu Gemühte zu führen und entspannt den Worten zu lauschen. Leider waren die Strassen nur zu Beginn des Landes, im grenznahen Gebiet wirklich gut. Je weiter wir ins Landesinnere kamen, desto schlechter wurden sie. Dies drückte sich vor allem durch holprige Strassen aus, welche unser Gefährt in richtige Hüpfsprünge versetzte. Ein Schlag war dann zu viel und es kam zu einem lauten Knacken im rechten Vorderrad. Wir stoppten, konnten aber nichts feststellen, so fuhren wir weiter. Von da an schlug jedoch der Stossdämpfer, bei jedem auftretenden Hubbel, immer voll auf und bei näherem Betrachten stellten wir fest, dass die Feder am oberen Ende gebrochen war. Die Folge für unseren, nun doch schon arg geschundenen Previa war, dass wir weitere 2cm Bodenfreiheit verloren, jedoch trotzdem weiterfahren konnten. Weitere Schäden kamen in Kasachstan nicht dazu, nur zwei Pneu mussten nach hinter versetzt werden, da sie sich wie schon früher erwähnt, sehr schnell abraffeln aufgrund der X-Beine.





Russland
Im Irrglauben schnell innert 12 Stunden durch Russland zu fahren, passierten wir die sehr modern eingerichtete Grenze Russlands. Am Zoll traten keine Probleme auf und wir konnten auf schönsten Strassen zufahren.
Da auf Google Maps keine Strassen in Russland zu erkennen sind und alles schattiert ist, wussten wir nicht exakt wie weit es wirklich bis an die mongolische Grenze ist. Also stellten wir uns darauf ein zu Fragen, da wir in der Schweiz keine Strassenkarten kauften. Zu erst fuhren wir aber in die erste grössere Stadt Robdsoysk, wo wir unsere Kommissionen tätigten. Anschliessen fuhren wir nordwärts weiter, da die einzige grosse Strasse da entlang führte.
Ausserhalb der Stadt fing unser Fragemarathon an, da wir immer noch dachten, wir seinen nahe der mongolischen Grenze. Der erste Russe schaetzte, es seine ca. 200 km bis zur Grenze. Es Stellte sich dann aber heraus, dass diese noch 1400 km entfernt ist. Man stelle sich also vor bei uns zu Hause fragen 4 irre, bärtige Ausländer nach dem Weg nach Alicante (Spanien) J. Fast immer wurde uns aber höflich Auskunft gegeben, wobei wir aber leicht in die irre geschickt wurden. Dank einer sehr guten Auskunft mit ungefähren Kilometerangaben der wichtigen Städte, die wir durchqueren sollten, fanden wir am nächsten Tag auf die richtige Strasse zurück.

Die ganze Durchquerung Russlands dauerte schlussendlich 3 volle Tage auf perfekten Strassen. Landschaftlich bot sich uns auf den letzten 500 km eine wunderbare Kulisse. Wir durchfuhren lange Täler, welche immer höher in die Schneeberge führen. Dort erinnerte die Landschaft mit den halb zugefrorenen Flüssen und den Bergen stark an Kanada, wodurch wir hofften Bären und andere Wildtiere zu sehen. Christian kam aber nach 30 Minütiger Betrachtung der Wildnis zum Schluss, dass es doch keine Bären hat, da er ja keine sehe J
Am Ende der Strasse, auf der Höhe von 2‘500 m erreichten wir am Nachmittag des dritten Tages die mongolische Grenze, dort endete die perfekte, geteerte Strasse hinter einem Gitter und ein Holperpfad führte zu den mongolischen Grenzhäusern. Nun konnte das Spiel mit den mongolischen Behörden beginne J







Kleiner Einschub
Wir erfuhren in Russland, dass die Übergabe des Autos in der Mongolei an eine Hilfsorganisation, definitiv nicht zu Stande kommt und wir das Auto nicht auf die gewünschte Weise ins Land bringen konnten. Auch in der Mongolei muss man ein Auto verzollen wenn man es einfuehren will. Ansonsten ist die Ausreise z.B. per Flugzeug unmöglich. Dies ist Tatsache und wurde uns auch unmissverständlich eingebläut. Das Verzollen eines Autos unseres Alters kostet in der Mongolei 4‘000 – 6‘000 Dollar. Auch dies ist fast unumstösslich.

Mongolei (fast am Ziel)
Nun standen wir also am späten Nachmittag ausgereist in Russland im 15 km langen „No Mans Land“, zwischen den beiden Grenzen. Wir beschlossen erst am nächsten Morgen in der Mongolei einzureisen, da nur noch wenig Zeit bis zur Schliessung verblieb und wir alles mit dem Auto genau regeln wollten. Also schlugen wir unsere Zelte dort auf und wollten mit dem Abendessen beginnen. Schnell kam aber ein Beamter und wies uns darauf hin, dass es nicht erlaubt sein hier zu Campen und wir eine Busse bekämen, zudem verbliebe uns noch genug Zeit einzureisen. Also versuchten wir es doch am selben Abend.






Nach langem Abwägen der verschiedenen Möglichkeiten, wie wir mit dem Auto weiterverfahren sollten, entschieden wir uns für den äusserst teuren Autoimport der sich auf 4‘000 $ belaufen solle. Die Entscheidung viel so aus, da wir dadurch die 3000 Fr. Kaution (Carnet de Passage) in der Schweiz sicher wieder zurück erhalten und wir am Flughafen auch ausreisen können. Jedoch konnte dieses Geschäft nicht mehr am Abend abgewickelt werden und wir wurden draussen in die „Custom Zone“ verwiesen, wo wir unser Zelt aufstellten. Schnell wurde es bitter Kalt, doch wir hatten unseren Spass bei Tee und Jassen im warmen Auto. Wie ueblich wies Neujasser Christian zusammen mit Marco, die mit einem Jassfluch belegten Gegener Koebi und Alex zu Boden. In der Nacht wurde es noch mal kälter (-20°). Alle sind nun fest ueberzeugt, dass die Hersteller der Schlafsaecke noch nie selbst bei solchen Temperaturen in ihrem Produkt genaechtigt haben. Andernfalls wuerden sie die Saecke wohl kaum mit Komforttemperaturen bis -25 Grad anschreiben. Wir waren froh als wir aufstehen konnten.
Am nächsten Morgen gingen die Auto Diskussionen natürlich weiter und schlussendlich mussten wir 3‘500 $ bezahlen. Dies hatten wir natürlich nicht auf Mann, so durften wir das Zollgelände verlassen, um die Bank aufzusuchen. Nun die Bank auf 2‘500 m ist in einer Holzhütte mit einem Tresor, natürlich ohne Visa Bezugselle. So zottelten wir frustriert zurück und suchten nach einem neuen Plan. Dieser sah dann so aus J : Wir nehmen all unser Bargeld (ca. 1200 $) und versuchen es mit dem, vielleicht ist ja doch einer korrupt an der Grenze. Zum mongolischen Zoll gibt es noch zu sagen, dass dieser genauso modern wie der schweizerische ist und viele junge Leute dort arbeiten. Zu unserer Überraschung war alles perfekt organisiert. Alex, der als Fahrer fungierte bot schweizer Taschenmesser, Gaskocher, Klappstuehle und andere Kostbarkeiten aus dem fernen Westen an. Nichts fruchtete. So hatte auch unser Notfallplan keinen Erfolg.
Da die Zahlung also unmöglich war einigten wir uns, dass ein mongolischer Beamter mit uns in das 100 km entfernte Olgii kommt und wir ihm dort das Geld aushändigen. Im Zollbüro gab es daraufhin starkes Gelächter als ein ganz junger Zollbeamter bestimmt wurde, welcher uns begleiten soll. Wie sich später heraus stellte glaubten alle, dass wir Olgii nicht am selben Tag erreichen, da die Strassen so katastrophal sind, so dass wir im Freien übernachten müssen. Der Previa wiederlegte natürlich all diese Befürchtungen.
Von diesen 100 km welche zu bewältigen waren, waren 70 km wirklich in miesem Zustand, zudem musste  ein Pass überquert werden. Wir schafften diesen jedoch mit vereinten Kräften. Kurz vor der Passhoehe mussten Schneeketten aufgezogen werden. Die Kraft des Wagens reichte jedoch auch im ersten Gang nicht aus, um die starke Steigung zu bewaeltigen. Als drei starke Maenner anschiebten, klappte es. Der Zollbeamte schaute mal gelassen zu, er wollte sich nicht so richtig in unser Team integrieren ;). Glücklicherweise hielt die Kupplung, welche schon in Russland teilweise durchrutschte, und nicht mehr viele Kilometer machen wird.

Trotz allem erreichten wir Olgii am Abend. Dort trafen wir auf einen sehr gut englisch sprechenden Mann (Yirlan) von Custom Service, welcher das ganze Heft an sich riss, um uns zu Helfen und an das Geld zu kommen. Zurzeit war aber Stromausfall in der ganzen Stadt, so beschlossen wir erst am nächsten Tag zu bezahlen. Daraufhin verbrachten wir den Abend mit diesen zwei Zollbeamten, beide in unserem Alter, in einer Bar. Mit ein bisschen Alkohol klappte die Zusammenarbeit schon viel besser. Es wurde alles vergangene nochmal genau besprochen und uns wurde mitgeteilt, was wir alles falsch gemacht haben. Wir erfuhren, dass es doch Wege gibt ohne zu Zahlen das Auto hier zu lassen. Schlussendlich war trotz hunderten von Telefonen nichts mehr daran zu ändern, wodurch wir am nächsten Tag zu bezahlen hatten. (Wenn jemand in die Mongolei will mit dem Auto, jetzt wüssten wir was zu tun ist und kennen die wichtigen Telefonnummern. Es wird jemand der Geschenke mag den Hoehrer abheben J)
So bezahlten wir am nächsten Tag den Import, was uns die Möglichkeit gab, das Auto legal zu verkaufen. Nach Abwägen der Vor- und Nachteile, beschlossen wir das Auto in Olgii zu verkaufen, da hier noch ein guter Preis zu erzielen war. Zudem hörten wir von verschiedenen Seiten, dass die Strassen noch schlechter werden und es mit unserem Auto kaum zu schaffen sei, Ulanbator zu erreichen. Die kompetente Schätzung von Marco, dass wir Ulanbator zu 65% nicht erreichen werden mit diesem Auto, räumte auch die letzten Zweifel der drei uebrigen Abenteurern aus :) . Wir versprachen Yirlan, (mit dem wir mittlerweile schon diverse Vodkashots geext haben und nun liebevoll Yirka nennen duerfen), unser Dachzelt wenn er fuer das Auto einen zahlungsfreudigen Abnehmer finden wuerde. Dies klappte gut, schon am selben Tag fanden wir einen Abnehmer fuer unseren, doch nun sehr lieb gewonnenen Pervia, welcher von Spanien bis in die Mongolei fuhr und jede Herausforderung meisterte.



Die letzten 1‘700 km werden wir mit einem russischen Minibus inklusive Chauffeur zurücklegen, wobei wir uns ein Bild über de wirklichen Strassenzustand der Mongolei machen können.




Mittwoch, 19. Oktober 2011

Iran - Kirgisistan

 
Turkmenistan

Nach dem obligaten iranischen Abschiedskuss unseres Gastgebers Vali fuhren wir los Richtung turkmenischer Grenze. Da der Weg trotz unserer neuer Reiselust, geschürt durch eine Woche herumsitzen recht lang war, campierten wir neben riesigen Feldern. Als sich die Sonne verabschiedete, fiel das Quecksilber auf den Gefrierpunkt. Schnell wurde das gemütliche Beisammensein in das Wageninnere verlegt, wo schnell ein Kino mit Köbis Laptop eingerichtet wurde. Die in der Dunkelheit vorbeiziehenden Schafhirten waren ein wenig irritiert durch den Lärm, der aus dem komisch parkierten Auto drang. Denn durch die Stereoanlage des Previas hatte man ein DolbySurround Effekt, der seinesgleichen sucht.
Am nächsten Morgen besuchte uns sogleich ein älterer Hirte und brachte ein ziemlich streng nach Schaf riechendes Brot vorbei. Wir gaben ihm ein Balisto, der ihm vorzüglich mundete.
Über Berg und Tal brausten wir gen turkmenischen Zoll. Nach ein wenig hin und her mit dem iranischen Zoll-Clown wurden wir relativ zügig zu den Turkmenen geschickt. Zuerst durften wir ohne viel zu Fragen schnell mal 42$ entrichten. Da sich Christian als Fahrer des Ungetüms zu erkennen gab, wurde er von der restlichen Bande getrennt und fand sich in einem Spiessrutenlauf sondergleichen wieder. Nach 6 verschiedenen Büros, ein Besuch bei einer ominösen Bank die weitere 113$ verlangte, einem Sack voll Quittungen und Dokumenten und einer Videoaufzeichnung von Fahrer und Maschine war zumindest er erlöst. Weitere eineinhalb Stunden später wurde die Aufmerksamkeit auf die anderen Insassen gelenkt und nach einer gründlichen Durchsuchung, ebenfalls in Turkmenistan willkommen geheissen.
Nach einer Stunde Fahrt trauten wir unseren Augen kaum. Kulturschock oder wie man so etwas nennt. Denn nach dem eher verschmutzten, lärmigen und mit Menschen vollgestopften Iran fanden wir uns in einer Welt aus weissem Marmor, pompösen Springbrunnen und fast leeren aber perfekten Strassen wieder. Ashgabat, Hauptstadt und so etwas wie eine Häuserausstellung. Auch dass alle Frauen wieder unverhüllt durch die Strassen zogen, entging unserem geschulten Auge nicht;-).
Statt wie gewohnt am Bazar deckten wir uns wieder einmal in einem Einkaufszentrum mit Lebensmitteln ein, um für die Tour in die Wüste gerüstet zu sein. Denn das nächste Ziel war das legendäre „Door to Hell“, ein seit 40 Jahren brennender Gaskrater. Der liegt jedoch 260km nördlich von Ashgabat mitten in der Wüste und da wir dieses Naturspektakel noch am selben Abend bestaunen wollten, hiess es Vollgas nach Norden. Da die Strasse teilweise fies versteckte Löcher aufweiste, wurde die Fahrt relativ ungemütlich. Da auch noch eine Polizeikontrolle aus versehen missachtet wurde und die Konsequenzen ungewiss waren, drückte dies ein wenig auf die Stimmung. Dies sollte aber ohne jegliche Folgen für uns enden. Zum Glück, denn die Polizei ist hier an jedem Ecken präsent.
Auf der Suche nach diesem ominösen Gaskrater landeten wir zufällig bei Gasarbeitern, die sich anerboten, uns für ein kleines Entgelt mit Ihrem monströsen Gelände-LKW zum besagten Ort zu bringen. Als sich herausstellte, dass wir mit unserem nicht weniger monströsen aber an doch mangelender Bodenfreiheit leidenden Gefährt unser Ziel selbst nicht erreichen können, gingen wir auf deren Angebot ein.
Da es schon dunkel war, erspähten wir das den Nachthimmel erhellende Höllentor schon aus geraumer Entfernung. Dort angekommen, boten uns die unzähligen Flammen ein spektakuläres Schauspiel. Heisse Luft peitschte je nach Wind ins Gesicht und vom Geruch her meinte man, neben einem riesigen Gasgrill zu stehen. Ein einmaliges Erlebnis.
Zurück bei den Gasmännern wurden wir noch auf Abendessen, Tee und Wodka eingeladen. Mit einem Bilderwörterbuch Russisch-Deutsch und allen möglichen Zeichen verständigten wir uns und verbrachten so noch einen äusserst amüsanten Abend. Wir bestaunten den aktuellen Gaskalender und Bilder des hiesigen Präsidenten.

Um die Woche bei Vali zu kompensieren versuchten wir, zügig nach Usbekistan zu gelangen. Leider verschlechterte sich der Strassenzustand dramatisch. Durch die Spurrinnen der vielen Lastwagen und fiesen Schlaglöchern musste sich der jeweilige Fahrer zwischen durchschlagender Federung oder aufsetzen der Ölwanne entscheiden. Manchmal blieb einem die Wahl aber auch erspart, da alles auf einmal auf unseren mittlerweile so lieb gewonnen Previa einschlug. Apropos Previa, Turkmenistan ist absolutes Toyota und auch Previa Land.
Positiv ist aber vom Benzinpreis zu berichten, der mit etwa 20 Rappen pro Liter zu Buche schlägt-theoretisch- denn wir bezahlten immer um die 10$, egal ob 30, 50 oder 60 Liter. Alle ein bisschen Gauner, wie am Zoll. Lustigerweise ist es gesetzlich verboten, Kanister an den Tankstellen zu füllen. Zum Glück hatten wir vom Iran noch 40 Liter dabei, von denen wir des Öfteren mitten in der Wüste Gebrauch machen mussten.








Uzbekistan

Nach drei Tagen erreichten wir den usbekischen Zoll, der viel versteckter nicht hätte sein können. Nach fast feldwegartigen Strassen fanden wir uns vor unzähligen Lastwagen und Menschen wieder, die alle über die Grenze wollten. Wir wurden freundlicherweise nach vorne durchgelassen und durften uns auch in der Schalterhalle unbeschwert vordrängeln. Da die Beamten besorgt waren, wir würden turkmenische Teppiche im grossen Stil ausser Landes schaffen, mussten unser Gepäck noch mühsam ausladen und röntgen lassen. Mit ein paar freundlichen Gesichtern unsererseits konnten wir uns gekonnt aus der Affäre ziehen. Auf der usbekischen Seite etwa dasselbe, ausser dass all unser Hab und Gut zu deklarieren war, verlief die Sache relativ zügig. Hier wurde doch das einte oder andere Kopfschütteln der anderen anstehenden Leute eingeheimst, die unsere neu erworbene Technik des aktiven Anstehens nicht goutierten.

In Buchara besuchten wir eine alte Festung, bei dem wir wiedermal auf andere Touristen stiessen. Da auf dem Schwarzmarkt ein viel besserer Kurs als auf der Bank geboten wird, nahmen wir sogleich die Gelegenheit war, an einem Souvenirshops Geld zu wechseln.
Die Möglichkeit, die vielen Noten für Benzin zu tauschen, blieb uns jedoch verwehrt. Einerseits schien es so, dass alles Usbeken Gasautos fuhren und andererseits kann man sonntags erst ab 20Uhr den rationierten Treibstoff kaufen.
Deswegen machten wir für einmal früher Halt. Vorher besorgten wir uns noch  1.50Franken Wodka und Bier und ein Einheimischer schenkte uns sogar noch eine 15kg Wassermelone. Durch die vorangegangenen zwei Wochen Abstinenz im Iran wagten wir uns noch eher zaghaft an den Alkohol.

In den usbekischen Bergen trafen wir auf einen belgischen Velofahrer, der bis anhin etwa dieselbe Strecke wie wir hinter sich hatte. Sein ambitiöses Ziel ist, bis nach Australien zu fahren. Richtig beeindruckend war aber, dass er erst 18 Jahre alt ist. Nach dem wir mit ihm ein Granatapfel geteilt hatten, machten wir uns auf weiter Richtung Tadjikistan. Im Grenzgebiet campierten wir in einer, nach unserer Ansicht, menschenleerer Schlucht. Zwei Minuten nach unserem Halt tauchte aber schon ein freundlich dreinschauender Bauer auf, der uns sogleich zu sich nach Hause einlud. Wir kochten mit einer äusserst komischen Milch Spaghetti Carbonara die fast allen vorzüglich mundete. Als auch ein paar seiner Söhne auftauchten, folgten wir Ihnen über eine abenteuerliche Hängebrücke aus Alteisen und dann einen Berg hinauf zu ihrem Haus. Dort erwarteten uns eine Horde Menschen, Töchter, weitere Söhne, Enkel, Mutter, Frau und Schwiegertöchter des Bauern. Wir alle sassen im Kreis und wurden von den vielen Augen beobachtet, wie wir Tee und Brot zu uns nahmen. Trotz den sprachlichen Schwierigkeiten hatten wir ein lustiges Gespräch. Es waren sehr herzliche Menschen, die uns immer wieder aufforderten, doch bei ihnen zu übernachten. Da wir aber nachts lieber wieder in der Nähe unserer Kutsche sind und uns auch nicht im entferntesten vorstellen konnten, wo wir in diesem Haus noch Platz finden würden, lehnten wir dankend ab.





Tadjikistan

Der Grenzübertritt zu Tadjikistan gestaltete sich unkompliziert, da wir die Ersten waren. Die Beamten stellten erst gerade ihre Stühle auf und waren noch relativ entspannt. Auch den Wodkaflaschen, die in einer Kiste auf den sterilen Spritzen und Medikamenten lagen, wurde nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

In Dushanbe angekommen, erkundigten wir uns im Hotel Tadjikistan nach den Zimmerpreisen, da eine warme Dusche wiedermal erwünscht war. Da aber 150$ pro Nase unser Budget doch um einiges sprengen würde, suchten wir ein Internetcafé auf um ein Homestay aufzuspüren. Schnell war etwas Passendes gefunden für ein Zehntel des Preises. In dem Haus lebte eine Familie mit zwei Töchtern, die für uns ihr Zimmer räumen mussten. Nach dem der gröbste Dreck von uns abgespült war, ging’s um die Ecke in eine tadjikische Beiz. Zum Glück war der englisch sprechende Sohn des Chefs zugegen und nahm gekonnt unsere Bestellung auf. Also er sagte, er bringe uns was. Das Essen war an sich super, da es aber relativ schnell und lauwarm serviert wurde, kamen aber gewisse Zweifel auf, die sich in der Nacht noch bestätigen sollten.
Zuerst erkundeten wir noch die Stadt mit ihren vielen Polizisten und protzigen Springbrunnen, Denkmälern und Regierungsgebäuden. Als das Auge gesättigt war, fanden wir zugleich eine kleine Bar, in der wir uns ein paar Starkbier und Marco einen standesgemässen White Russian genehmigte.
Gut gelaunt und eher lärmig betraten wir zu später Stunde unser Guesthouse, wo wir die ganze Familie weckten, da alle im Wohnzimmer schliefen. Aber sie sollten noch einige male in dieser Nacht aufwachen, da das WC wegen vorher besagtem, ominösen Abendessen doch frequentiert benutzt wurde.
Mit komischen Bauch und Kopf fuhren wir dann los auf den Pamir Highway. Bei jeder Polizeikontrolle erzählten wir von unserer super Kühlbox (danke Manu!!) und die Beamten wahrscheinlich etwas von SchmiergeldJ.
Bei einem am Strassenrand parkierten Tankwagen konnten noch unser Benzinlager per Kessel und Trichter aufgefüllt werden.
Die Landschaft verwandelte sich in eine wunderschöne Bergwelt mit einer zuweilen fast perfekten Strasse.
Unser treues Reisegefährt zeigte nun leider erste Schwächen bezüglich der Vorderreifen. Das Profil wurde an beiden Innenseiten regelrecht abgeraffelt. Hier hatte die turkmenische Rüttelpiste ihre Opfer gefordert, denn beide Federbeine an der Vorderachse wurden nach innen gebogen, so dass wir nun mit einem Formel1 Radsturz durch die Gegend düsen. Auch mehrmaliges anpassen der Spur konnte dem immensen Pneuverschleiss nur bedingt Einhalt gebieten. Mehr dazu noch später.



Pamir Highway

Auf einmal endete die ach so gute Strasse und das Terrain wechselte zwischen Steinfeld, Kiesgrube, Schlammpiste, Feldweg und einer Mischung aus abgebrochenen Teerstücken und Dreck. Es sollte die bis jetzt härteste Prüfung für Mensch und Maschine werden.
Die, nennen wir sie der Einfachheit halber trotzdem Strasse, führte entlang einer Hügelkette immer weiter in die Höhe. Links Berg, rechts Schlucht. Stutzig machte uns immer mehr, dass nur noch Lastwagen oder gewaltige Geländewagen uns entgegen kamen oder hupend überholten. Auch einige Schaf-und Geissenherden kamen uns entgegen
Teilweise mussten die Passagiere aussteigen, um noch mehr Bodenfreiheit zu gewinnen oder auch den Weg Previa tauglich zu präparieren.
Ein paarmal wurde unser Visum kontrolliert, da es eine autonome Region ist. Ab und zu war ein Haus oder ein kleines Dorf zu sehen mit ein paar Menschen und Eseln am Strassenrand, die immer freundlich winkten.
Auch unser Vierradantrieb entpuppte sich als äusserst hilfreich, wenn nicht gar unersetzlich. Das ständige klopfen und schleifen des Untergrundes gegen unseren Unterfahrschutz konnte auch mit noch so einer behänder Fahrweise nicht vermieden werden. Ungläubig, dass mit unserem Auto noch alles in Ordnung sein solle, deuteten die Menschen in einem Dorf immer wieder unter den Previa. Dies gipfelte bei einer Brückenauffahrt, bei der der vordere Teil des Blechs komplett abgerissen wurde. Dieser Teil fährt nun auf dem Dach weiter mit. Bei der Reparatur des hinteren Schutzes konnte auch gleich ein Blick auf den tiefsten Punkt unseres Gefährts erheischt werden, der total verbeulten Ölwanne.
Wenig später erfuhr ein Reifen die Folgen eines doch allzu spitzen Steines und konnte durch die mittlerweile geschulte Previa-Crew schnell ersetzt werden.









Nach einem Tag schlechten Wetters, einer Bachdurchfahrt (Die meisten Brücken waren defekt und man musste durch den Fluss) und Schänden des Toyotas erreichten wir den Fuss des ersten grossen Passes mit 3252Meter höhe. Die Nacht wurde entsprechend kalt, doch dies sollte noch lange nicht die kälteste sein.
Früh am Morgen machten wir uns auf, bei stahlblauem Himmel die Höhe zu erklimmen. Wie schon am Vortag verlangte die Steigung und das Gelände alles ab, wir wünschten uns oft noch kleinere Gänge als der erste, ein Schnitt von 20km/h wurde knapp erreicht. Das Panorama entschädigte aber für alles.
Nach zwei Stunden bergauf ging’s umso steiler und rutschig wieder bergab, vorbei an steilen Felsklippen und Kühen, die behände wie Gämsen durch den Fels kletterten, zum Dorf Kaleikhum.
Der Einheimische Tankwart staunte nicht schlecht, als er begriff, dass wir es mit diesem Auto über den Pass schafften. Ganz stolz waren wir.

Nun trennte uns nur noch ein Fluss von Afghanistan. Baumi nahm per Handzeichen erfolgreich Kontakt zu den Afghanen auf. Eine wunderschöne Gegend.
Da es keine anderen Strassen gab, machten wir Halt gegenüber einem afghanischen Dorf, wo wir zusätzlich zur herrlichen Abendstimmung noch von deren Minarett beschallt wurden.
Alle Stunde schaute eine Grenzwache vorbei uns sagte nichts, ausser einer der nach etwas Wodka fragte, dachten wir. Doch er nahm gleich die ganze Flasche mit. Naja, wir hofften, uns so wenn schon eine sichere Nacht erkauft zu haben.

Die Strassen wurden tendenziell besser, aber immer noch viele Löcher. Auch vielen chinesischen Lastwagen begegneten wir, uns ist nicht klar, wie die es durch das teilweise äusserst unwegsame Gelände schafften.
In Korog kauften wir auf dem Basar Lebensmittel und ein grosse 22er Nuss mit Hebel, um später dem unvorteilhaften Radsturz zuleibe zu rücken.
Ausserhalb Korog wiedermal eine Passkontrolle. Es stellte sich heraus, dass der Polizist wegen unserer hohen Dachladung und unseres angeblich unvollständigen Visa Geld möchte. Der letzte Schluck aus der Wodka-Flaschen war zu wenig, doch mit einer vollen Flasche Wasser liess er sich schlussendlich abwimmelnJ.

Beim nächsten Rastplatz neben einem eiskalten Fluss nahmen wir erquickendes, aber äusserst kurzes Bad. Frisch belebt versuchten wir mit dem neu erworbenen Werkzeug die Stossdämpferschrauben zu lösen, doch das einzige was sich bewegte war das doch eher günstige, chinesische Werkzeug. Schade! Lassen wir’s halt.








Nach Korog gings stetig bergauf, vorbei an Alleen gesäumt mit goldigen und kupferfarbigen Laubbäumen. Die wenigen Leute winkten uns freundlich zu. Als die Vegetation abnahm, bewegten uns gemächlich auf den 4272m.ü.M. liegenden Pass zu. Es war aber nie ersichtlich, wann wir wirklich ganz oben waren, weil wir uns stetig auf einem Hochplateau mit Salzseen bewegten und umringt von 5000-7000er.
In Murgab wollte die Frau des Tankwarts uns zuerst kein Benzin verkaufen, vermutlich weil Sonntag war. Doch auf einmal tauchte ihr Mann auf und der Deal konnte stattfinden. Sogar Bleifrei mit 93 Oktan.
Die Leute am Strassenrand sahen immer mehr aus wie Chinesen, die Grenze war auch nur noch wenige Kilometer entfernt.
Unser Lager schlugen wir in der Wüste auf 4000 Meter auf. Schnell wurde gekocht und um Erfrierungen zu vermeiden, die Jassrunde im Auto bei laufendem Motor abgehalten. Die Temperatur nachts war minus 15 Grad Celsius, was einen relativ ungemütlichen Schlaf nach sich zog.

 -An dieser Stelle ist einmal zu erwähnen, wie gut sich unser gesamter Autoumbau bis jetzt bewährte. Die drehbaren Vordersitze sind in den kalten Regionen Gold wert, die verschiebbare Rückbank in Kombination mit Köbis Luftmatratze lässt sich in ein bequemes Bett umbauen, am Sonnenrollo ist die Gaslampe perfekt aufzuhängen und auf dem Dachträger lässt sich alles sicher verstauen. Ausser an Bodenfreiheit fehlt es an nichts.-

Durchgefroren nahmen wir den höchsten Pass unserer Reise in Angriff, den Akbaytal auf 4655Meter. Parallel zur chinesischen Grenze verlief die teilweise sehr üble Kiesstrasse mit tiefen Spurrillen über den Pass. Die Höhe machte sich durch Kopfweh und schnelle Erschöpfung bemerkbar. Aber kein Murren seitens unserer Maschine.

Die Abfahrt zur nächsten Hochebene war nicht minder schlecht, doch es bot sich ein kolossaler Anblick von einer riesigen, schneebedeckten Ebene mit einem riesigen, blauen See in der Mitte. Wir trafen auf zwei holländische Radler, die seit einem halben Jahr unterwegs und bald am Ziel sind.
Auf einem weiteren 4000er Pass war der tadjikische Zoll, dann nach folgten 20km „No Mans Land“. Da folglich das Land niemandem gehörte, war auch keiner dem Strassenbau zugeteilt. Es folgte eine mühsame Talfahrt mit Furchen und weggeschwemmten Brücken. 






Kirgistan

Dann endlich der ersehnte kirgisische Zoll. Lustige Beamte spielten mit dem IPod, fragten nach Drogen und ob wir schwul seien.
Im nächsten Dorf, Sary Tash, leisteten wir uns eine bezahlbare Unterkunft mit Abendessen. Neben dem Guesthouse war auch ein Pneuhaus, oder besser gesagt eine Scheune mit Kompressor und langen Hebeisen. Dort liessen wir in unseren, dem Pamir-Gebirge zum Opfer gefallenen Reifen, einen Schlauch einsetzen damit wir auch den noch runterraffeln können.
Unsere Gastgeberin servierte ein Geissenragout mit gammligem Brot und machte uns deutlich, dass nach 8Uhr der Elektroofen auszustecken sei. Da wir nicht nochmal so frieren wollten, liessen wir sie noch ein bisschen länger am Strom. Doch wie mit Geisterhand flog um elf die Sicherung raus J.
Die Einrichtung des Hauses war sehr gemütlich mit Teppichen und Füchsen und Wölfen an der Wand.

Zum Morgenessen gab es besseres Brot, Konfi und Eier. Der Tee roch ein bisschen nach Schafmist. Das könnte daran liegen, dass anstelle von Feuerholz getrockneter Geissen, Kuh, Schaf-und Eselkot verwendet wird. Holzersatz auf 3000 Meter.

Auf perfekten Strassen genossen wir die Weiterfahrt Richtung Bishkek. Weg von den hohen Bergen und wieder zurück in wärmere Gefilde.